i-hoch-3
i-hoch-3 · das Netzwerk

Erst bist du allein, dann seid ihr zwei, dann ist es ein Ort.

i³ ist ein Netzwerk aus sechs Auftritten: ein Verein, eine Bühne, eine Anlaufstelle, eine Festivalwoche, eine Bildungsarbeit und die gemeinsame Form, die alles zusammenhält. Manches läuft schon, manches ist erst ein Grundriss — und der ist absichtlich nicht fertig.

§1 · Kultur

i1 — die erste Potenz: das Individuum.

Das erste i ist ein einzelner Mensch: seine Herkunft, seine Sprache, seine Geschichte, das Rezept, das er kochen kann. Bevor irgendeine Begegnung stattfindet, bringt jeder mit, wer er ist. Kultur ist die Summe dessen, was in den Raum getragen wird — und die Frage, was davon hier Platz hat.

Identität

Der eigene Name, richtig ausgesprochen.

Was du mitbringst, gehört erstmal dir. Aber in jeder Gruppe wird daraus irgendwann eine Rolle — der, der immer die Technik macht, die, die immer übersetzt. Ein guter Raum lässt dich die Rolle auch wieder abgeben.

Inklusion

Die Rampe war schon da, bevor du kamst.

Das entscheidet sich lange vor der Begegnung: bei der Wahl des Raums, der Uhrzeit, der Sprache auf dem Plakat. Wer erst umbaut, wenn jemand fragt, erfährt nie von denen, die deshalb nicht gekommen sind.

Integration

In der Kultur bringst du etwas mit. Im Dialog wirst du gefragt. In der Gemeinschaft hast du eine Aufgabe.

Wer nur mitbringt, ist Gast. Wer gefragt wird, ist Besuch. Nachbar wird man über die Aufgabe — und die ist meistens klein, und meistens fragt jemand, ob du sie willst.

Interkulturalität

Zwei Sprachen im selben Raum, und keine muss leiser werden.

Interkultur ist selten ein Fest. Meistens ist sie die Frage, in welcher Sprache die Ansage gemacht wird, wer übersetzt, und ob jemand nachfragt, wenn er den Witz nicht verstanden hat.

Immateriell

Ein Rezept, das in keinem Buch steht.

Handgriffe, Lieder, Feste, ein Wort, das es nur hier gibt. Nichts davon liegt in einer Vitrine — es lebt davon, dass einer vormacht und ein anderer mitmacht.

Institution

Ein Ort mit Öffnungszeiten.

Bühnen, Zentren, Vereine: Orte, die man weitersagen kann, weil sie nächste Woche noch da sind. Ob aufgesperrt wird, hängt dann nicht mehr an der Stimmung, sondern am Aushang.

§2 · Dialog

i2 — das erste i, potenziert durch ein zweites.

Trifft ein i auf ein zweites, verdoppelt sich nichts — es verändert sich etwas. Wer antwortet, verschiebt die Frage. Wer zuhört, geht anders nach Hause. Dialog ist der Teil des Netzwerks, den man nicht planen kann, sondern nur wahrscheinlicher machen.

Interaktion

Jemand fragt nach, und aus dem Vortrag wird ein Gespräch.

Das Interessante passiert selten im Programm, sondern zwischen den Programmpunkten: die Nachfrage, der Widerspruch, das Angebot mitzumachen. Wer antwortet, verändert das, was gesagt wurde.

International

Der Kosmos endet nicht am Ortsschild.

Er fängt auch nicht erst hinter der Grenze an — die Hälfte dessen, was hier zusammenkommt, ist ohnehin von woanders. Die Frage ist nur, ob man es hört.

Initiative

Einer schließt auf. Ob daraus etwas wird, entscheiden die, die nachkommen.

Räume, Technik, ein Verein, der Anträge stellt: Das meiste steht schon bereit. Was fehlt, ist ein Datum — und ein paar Leute, die mitmachen.

Information

Einmal erklärt, allen erklärt.

Wo man den Förderantrag herbekommt, wer die Technik hat, wann Anmeldeschluss ist. Das meiste davon weiß irgendwer längst — es steht nur nirgends.

Inspiration

Man kommt mit einer Idee und geht mit einer anderen.

Manchmal bringt sie jemand mit, manchmal steckt sie im Thema, manchmal entsteht sie nur, weil zwei Gruppen nebeneinander arbeiten und einander zuhören. Planen lässt sich das nicht — Platz dafür schon.

§3 · Gemeinschaft

i3 — Begegnung, die einen Raum bildet.

Zwei, die sich einmal treffen, sind noch keine Gemeinschaft. Erst wenn es einen Schlüssel gibt, einen Termin, der wiederkommt, und Leute, die auch dann auftauchen, wenn das Thema sie nicht interessiert, wird aus Begegnung ein Ort. Das ist die dritte Potenz — nicht mehr Menschen, sondern Dauer.

Infrastruktur

Ein Schlüssel, der nicht nur einem gehört.

Strom, Stühle, ein Konto, ein Kalender, in den jeder schreiben darf. Nichts davon ist eine Idee — es ist der Unterschied zwischen einem Abend und einem Ort.

Intergenerationell

Jung und Alt am selben Tisch, und beide korrigieren einander.

Der eine weiß, warum es beim letzten Mal schiefging. Die andere weiß, was inzwischen nicht mehr gilt. Zu zweit ist das ein Gespräch. In einer Gemeinschaft wird daraus ein Gedächtnis.

Interesse

Man kommt wegen der Sache und bleibt wegen der Leute.

Am Anfang ist es ein gemeinsames Thema: dieselbe Musik, dasselbe Anliegen, dieselbe Frage. Irgendwann kommt man auch an den Abenden, an denen einen das Thema gerade nicht interessiert.

Intimität

Der Punkt, an dem man nicht mehr erklären muss, wie es einem geht.

Vertrauen entsteht, wenn dieselben Leute oft genug wiederkommen. Große Räume brauchen dafür kleine: eine Runde, in der man auch mal schweigen kann, ohne dass es auffällt.

Vision · der Kosmos

Sechs Auftritte, ein Netzwerk.

junitii, somasom, retterdernacht und die Schwestern: sechs Auftritte, die sich Form, Regeln und Leute teilen. Das Organigramm zeigt, was womit zusammenhängt — und wo noch nichts steht.

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